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Mein Gravel-Abenteuer: Fazit vor der Fasnacht
Als ich Mitte Dezember mit meinem Gravel-Abenteuer gestartet bin, war ich ehrlich gesagt neugierig – aber auch ein bisschen skeptisch. Würde ich wirklich regelmässig fahren? Macht Velofahren ohne Strom nach so langer E-Bike-Zeit überhaupt noch Spass? Und merkt man in so kurzer Zeit überhaupt einen Unterschied?
Jetzt, kurz vor der Fasnacht, kann ich sagen: Ja, man merkt einen Unterschied. Und ja, es macht richtig Spass.
Vom E-Bike zurück zur Muskelkraft (ohne dem E-Bike untreu zu werden)
Ich bin nach wie vor ein grosser Fan meines 45ers – meinem schnellen Flyer, mit dem ich bequem und zügig von A nach B komme. Gerade im Alltag ist das Ding unschlagbar. Ich fahre damit mehrmals pro Woche Richtung Solothurn und wieder zurück. Und was ich am E-Bike besonders schätze: Es ist mir ziemlich egal, ob das Wetter draussen „gruusig“ ist. Regen, Kälte, Wind? Mit dem Flyer kein Problem – da ziehe ich durch.
Beim Gravel ist das anders. Ich wäre gern der Typ, der bei jedem Wetter heroisch durch den Regen pflügt. Bin ich aber nicht. Wenn es wirklich ungemütlich ist, glustet mich das einfach nicht. Ich bin bisher vor allem bei schönem Wetter oder bewölkter Witterung draussen unterwegs gewesen. Sobald Regen ins Spiel kommt, wird der innere Schweinehund deutlich lauter – und der gewinnt manchmal auch. (Was ich ihm an dieser Stelle ungern zugebe.)
Trotzdem hat mir das Gravel etwas zurückgebracht, das ich fast ein bisschen vergessen hatte: Dieses Gefühl, alles aus eigener Kraft zu bewegen. Das leichte Brennen in den Beinen, wenn’s bergauf geht. Und die wohltuende Müdigkeit danach, die sich nicht nach „ich bin kaputt“, sondern nach „ich habe etwas geschafft“ anfühlt. Ich bin tatsächlich richtig gepackt vom Velofahren ohne Strom.
Ausdauer in kurzer Zeit – und plötzlich ist der Hoger nicht mehr der Balmberg
Ich bin kein Profiathlet und auch nicht im High-Performance-Training unterwegs. Aber ich merke in relativ kurzer Zeit, dass sich etwas getan hat. Ich komme ruhiger in den Tritt, meine Atmung ist gleichmässiger, und kleine Anstiege fühlen sich weniger dramatisch an.
Sogar der Hoger – der sich am Anfang teilweise angefühlt hat wie der Balmberg – geht inzwischen deutlich leichter. Natürlich ist das immer noch Arbeit. Aber es ist nicht mehr dieser Moment, wo man oben ankommt und sich fragt, ob man gerade einen Alpenpass bezwungen hat. Und das Spannende ist: Ich merke diese Ausdauer nicht nur auf dem Velo, sondern auch bei etwas, das man nicht sofort mit Gravelbikes verbindet – der Fasnacht.

Sousaphone, Fasnacht und plötzlich zu viel Atem

Ich spiele Sousaphone. Das Instrument sieht nicht nur schwer aus, es ist auch schwer. Und wer schon mal an der Fasnacht stundenlang unterwegs war, weiss: Da brauchst du nicht nur gute Laune, sondern auch Ausdauer. Lange stehen, tragen, laufen und spielen – und das über Stunden. Dafür braucht es Kraft im ganzen Körper und vor allem eine stabile Atmung.
Seit ich regelmässiger mit dem Gravel unterwegs bin, bin ich beim Sousaphone weniger schnell aus der Puste. Ich erhole mich schneller zwischen den Stücken, und meine Beine machen länger mit, wenn wir von Beiz zu Beiz durch Zuchwil ziehen.
Und jetzt kommt das Beste: Wenn ich in der Blasmusik Trompete spiele, merke ich manchmal fast das Gegenteil – ich habe plötzlich das Gefühl, ich hätte zu viel Atem. Das ist ein Luxusproblem, das ich sehr gerne nehme.
So eine Ausdauer habe ich ehrlich gesagt noch nie mit einem Fitnessabo erreicht – obwohl ich dafür schon mehrfach bezahlt habe.
Warum das Velo für mich besser funktioniert als jedes Fitnessabo
Der grosse Unterschied ist: Ich habe beim Graveln nicht das Gefühl, „trainieren zu müssen“. Ich baue das Velo in meinen Alltag ein, plane kurze Runden, die gut dazwischen passen, und freue mich auf die frische Luft, statt mich ins Fitnessstudio zu kämpfen und dort auf ein freies Gerät zu warten.
Beim Fitnessabo war es bei mir meistens so: hohe Motivation am Anfang, nach zwei Monaten war Schluss, und der Rest war schlechtes Gewissen. Beim Gravel sind es oft kleinere Einheiten, dafür viel kontinuierlicher – und mit einem echten Spassfaktor. Das macht am Ende den Unterschied.
Rückblick: Von „ich fahr sicher ohne Klickpedale“ zu „Holz anfassen“
Seit dem Start ist einiges passiert. Ich habe mein Gravel ausgesucht, eingestellt und dann mit einem Fitting wirklich auf mich angepasst. Dabei habe ich nicht nur gemerkt, wie viel Millimeter ausmachen, sondern auch, wie schnell man seine Meinung ändern kann.
Ich wollte nämlich ursprünglich unbedingt ohne Klickpedale fahren. Flats, fertig, sicher, kein Drama. Beim Fitting mit Elsi kam dann ziemlich schnell eine klare Ansage: „Wir montieren Cleats. Du übst zuerst zuhause auf der Rolle und dann gehst du damit auf die Strasse.“
Also habe ich zuhause auf der Rolle geübt. Ein- und ausklicken, wieder ein- und ausklicken. So lange, bis es sich nicht mehr wie ein Zaubertrick anfühlt. Und dann… ja, dann bin ich tatsächlich damit nach draussen. Bisher (Holz anfassen) ohne Unfall – auch auf der Strasse. Ich bin selber ein bisschen stolz. Und ein bisschen überrascht.
Ich war unterwegs bei Sonne, Kälte, Nieselstimmung und Dämmerung – Regen habe ich (ehrlich gesagt) eher gemieden. Wenn es gar nicht geht, gibt es immer noch Plan B: den Hometrainer. Der stand am Anfang mal im Büro, ist aber inzwischen im Keller gelandet. In der grossen Wohnung war es doch etwas zu laut – und ich wollte meine Nachbarn nicht als unfreiwillige Zuschauer meines Trainingsprogramms gewinnen. Was ich aber ganz klar gemerkt habe: Der Hometrainer ist eine gute Notlösung, aber draussen bleibt unschlagbar. Frische Luft, Kopf frei, ein paar Wege entdecken, die man sonst nie fährt – das ist für mich der eigentliche Grund, warum ich dieses Projekt gestartet habe.

Die Fasnacht kann kommen
Jetzt, kurz vor der Fasnacht, fühlt es sich an, als ob zwei Welten zusammenfinden: meine Begeisterung fürs Velo und meine Leidenschaft für Musik und Fasnacht. Das Gravel hat mir geholfen, fitter, ausdauernder und irgendwie auch resilienter zu werden – ohne dass ich mein Leben komplett umkrempeln musste.
Die Fasnacht kann kommen. Ich freue mich darauf, mit dem Sousaphone unterwegs zu sein – und zu wissen, dass mein Körper dafür eine bessere Basis hat als noch vor ein paar Wochen.
Und danach? Danach geht mein Gravel-Abenteuer weiter. Mit neuen Routen und vielleicht auch mal der einen oder anderen gemeinsamen Runde mit euch. Wenn du eine coole Strecke in der Umgebung kennst oder selbst Lust hast, mal zusammen zu fahren: Melde dich gern – im Laden, online oder auf Social Media. (Nur als Hinweis: Mein Schnitt ist noch nicht „Rennvelo-verdächtig“ – dafür dauert die Runde länger als 30 Minuten. 😜)
Bis dahin: Bleib in Bewegung. Auf deine Art.
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